Biblio - Verlagsverzeichnis 1998
ISBN 3-7648-2472-7
ISBN 3-7648-2508-1 DM 88,-Waren sie, die Landsknechte, Knechte im Dienste ihre Landes oder geknechtete in ihrem Lande? Keine dieser beiden Fragen trifft den Kern der Kriegs- und Lebensbedingungen der Söldner, die über ein Jahrhundert lang auf europäischen Kriegsschauplätzen für Könige und Fürsten als Berufskrieger für Geld und Hoffnung auf reiche Beute ihr Leben einsetzten. Sie hatten oft keine oder nur geringe Bindungen an ihren Landesherren, lebten und kämpften gemeinsam mit Söldnern aus vielen Herren Länder. Die tiefgreifenden Wandlungen vom feudalen Ritter- zum Söldneraufgebot sind Teil der geschichtstragenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Veränderungen in Europa seit dem 15. Jahrhundert. Dabei waren der militärische Einsatz, der in erster Linie von der Finanzkraft des Auftraggebers abhing, der Lebensalltag sowie Ethik und Moral dieser Kriegsknechte einem steten Wandel unterworfen. Unabhängig von der festgefügten Ständeordnung entstand eine eigene Alltagskultur der Landsknechte, die in vielfältiger Weise durch künstlerische Darstellungen überliefert ist.
In der vorliegenden Arbeit wird das Landsknechtwesen als Teil des gesamtgesellschaftlichen Lebens der Zeit eingefangen. Der Autor schildert in lebendiger, packender Sprache nicht nur alle Seiten des Lebens dieser Kriegsknechte, sondern auch die Machtverhältnisse und politischen Ziele der Kriegsherren. Er behandelt ausführlich die Wechselverhältnisse zwischen Waffenproduktion und Kriegswesen, die Herstellung von Waffen und Rüstungen, die Handhabung und den taktischen Einsatz von Blank- und Feuerwaffen, immer dokumentiert durch Zitate zeitgenössischer Autoren und Berichterstatter. Durch die gründliche Auswertung der umfangreichen Spezialliteratur und die komprimierte, jedoch in der Thematik umfassende Darstellung entstand zum ersten Mal ein spannend geschriebener Überblick zum Landsknechtwesen für jedermann. Die vielfältigen gesellschaftlichen und sozialen Probleme der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lassen so manchen Vergleich zu zeitgenössischen Ereignissen und Fragen aufkommen.
Die technisch-militärischen und politisch-sozialen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts haben letztlich dazu geführt, daß kaum ein europäischer Staat mehr in der Lage war, die Erfordernisse seiner militärischen Selbstverteidigung ohne die aktive Mitwirkung eines großen Teils seiner Bürger zu erfüllen. Ereignishaft war vor allem der überraschende preußische Sieg von 1866, der die Militärs in ganz Europa, ganz besonders aber im österreichischen Kaiserstaat, veranlaßte, ihre hergebrachten Grundsätze, darunter die Frage der Heeresergänzung, neu zu überdenken.
Die vernichtende Niederlage bei Königgrätz, neben der militärtechnischen Unterlegenheit der Österreicher auch auf mangelnde Ausschöpfung der Wehrkraft in personeller wie in intellektueller Hinsicht zurückzuführen, zwang zu tiefgreifenden Strukturreformen, die ihren endgültigen Ausdruck im Wehrgesetz von 1868 fanden. Neben der nun erfolgten generellen Einführung der allgemeinen Wehrpflicht mit dreijähriger Dienstzeit lag die wesentlichste Veränderung des Wehrsystems in der Schaffung der Institution der Einjährig-Freiwilligen und damit eines mehr oder weniger systematisch herangebildeten Reserveoffizierskorps.
Die Darstellung dieser, auf preußischem Vorbilde fußenden, jedoch typisch österreichisch-ungarisch exerzierten Einrichtung in ihren militärischen, rechtlichen und sozialen Implikationen ist die Aufgabe dieser Schrift. Für den Leser ist es dabei notwendig, sich gedanklich in das Innere jenes imaginativen Dreieckes zu begeben, das sich zwischen den drei 'Seiten' Armee, Staat und Gesellschaft ausbildet. In seinem Schwerpunkt kommt diese Institution zu liegen. Wie kaum aus einem anderen Beispiel erhellt aus ihr der eminente Zusammenhang und die unablässigen Wechselwirkungen zwischen diesen drei Bereichen, die gerade im ethnisch und staatlich überaus komplex aufgebauten Österreich-Ungarn, das der Armee als eiserner Klammer so dringend bedurfte, auf besondere Art verflochten waren.