Herausgegeben im Auftrage der Wehrtechnischen Sammlung des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung von Wolfram Funk, Hans-Peter Harstick, Heinrich Müller, Joachim Niemeyer, Werner Rabbertz, Volker Schmidtchen, Ingo Weise und Arnold Wirtgen. Band 3ff. (Bände 1 und 2 erschienen im Verlag Mittler + Sohn)
ISBN 3-7648-2472-7Band 3: Quaas, Gerhard
Das Handwerk der Landsknechte. Waffen und Bewaffnung zwischen 1500 und 1600. 260 Seiten, 54 Seiten Bildteil und 16 Seiten farbige Abbildungen. Osnabrück 1997. Geb.
ISBN 3-7648-2508-1Waren sie, die Landsknechte, Knechte im Dienste ihre Landes oder geknechtete in ihrem Lande? Keine dieser beiden Fragen trifft den Kern der Kriegs- und Lebensbedingungen der Söldner, die über ein Jahrhundert lang auf europäischen Kriegsschauplätzen für Könige und Fürsten als Berufskrieger für Geld und Hoffnung auf reiche Beute ihr Leben einsetzten. Sie hatten oft keine oder nur geringe Bindungen an ihren Landesherren, lebten und kämpften gemeinsam mit Söldnern aus vielen Herren Länder. Die tiefgreifenden Wandlungen vom feudalen Ritter- zum Söldneraufgebot sind Teil der geschichtstragenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Veränderungen in Europa seit dem 15. Jahrhundert. Dabei waren der militärische Einsatz, der in erster Linie von der Finanzkraft des Auftraggebers abhing, der Lebensalltag sowie Ethik und Moral dieser Kriegsknechte einem steten Wandel unterworfen. Unabhängig von der festgefügten Ständeordnung entstand eine eigene Alltagskultur der Landsknechte, die in vielfältiger Weise durch künstlerische Darstellungen überliefert ist.
In der vorliegenden Arbeit wird das Landsknechtwesen als Teil des gesamtgesellschaftlichen Lebens der Zeit eingefangen. Der Autor schildert in lebendiger, packender Sprache nicht nur alle Seiten des Lebens dieser Kriegsknechte, sondern auch die Machtverhältnisse und politischen Ziele der Kriegsherren. Er behandelt ausführlich die Wechselverhältnisse zwischen Waffenproduktion und Kriegswesen, die Herstellung von Waffen und Rüstungen, die Handhabung und den taktischen Einsatz von Blank- und Feuerwaffen, immer dokumentiert durch Zitate zeitgenössischer Autoren und Berichterstatter. Durch die gründliche Auswertung der umfangreichen Spezialliteratur und die komprimierte, jedoch in der Thematik umfassende Darstellung entstand zum ersten Mal ein spannend geschriebener Überblick zum Landsknechtwesen für jedermann. Die vielfältigen gesellschaftlichen und sozialen Probleme der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lassen so manchen Vergleich zu zeitgenössischen Ereignissen und Fragen aufkommen.

Band 4: Zehetbauer, Ernst
Die “Einjährigen” in der alten Armee. Das Reserveoffizierssystem Österreich-Ungarns 1868-1914. XII, 191 Seiten mit 5 Abbildungen. Osnabrück 1999. Geb.
ISBN 3-7648-2510-3Die technisch-militärischen und politisch-sozialen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts haben letztlich dazu geführt, dass kaum ein europäischer Staat mehr in der Lage war, die Erfordernisse seiner militärischen Selbstverteidigung ohne die aktive Mitwirkung eines grossen Teils seiner Bürger zu erfüllen. Ereignishaft war vor allem der überraschende preussische Sieg von 1866, der die Militärs in ganz Europa, ganz besonders aber im österreichischen Kaiserstaat, veranlasste, ihre hergebrachten Grundsätze, darunter die Frage der Heeresergänzung, neu zu überdenken.
Die vernichtende Niederlage bei Königgrätz, neben der militärtechnischen Unterlegenheit der Österreicher auch auf mangelnde Ausschöpfung der Wehrkraft in personeller wie in intellektueller Hinsicht zurückzuführen, zwang zu tiefgreifenden Strukturreformen, die ihren endgültigen Ausdruck im Wehrgesetz von 1868 fanden. Neben der nun erfolgten generellen Einführung der allgemeinen Wehrpflicht mit dreijähriger Dienstzeit lag die wesentlichste Veränderung des Wehrsystems in der Schaffung der Institution der Einjährig-Freiwilligen und damit eines mehr oder weniger systematisch herangebildeten Reserveoffizierskorps.
Die Darstellung dieser, auf preussischem Vorbilde fussenden, jedoch typisch österreichisch-ungarisch exerzierten Einrichtung in ihren militärischen, rechtlichen und sozialen Implikationen ist die Aufgabe dieser Schrift. Für den Leser ist es dabei notwendig, sich gedanklich in das Innere jenes imaginativen Dreieckes zu begeben, das sich zwischen den drei ,Seiten‘ Armee, Staat und Gesellschaft ausbildet. In seinem Schwerpunkt kommt diese Institution zu liegen. Wie kaum aus einem anderen Beispiel erhellt aus ihr der eminente Zusammenhang und die unablässigen Wechselwirkungen zwischen diesen drei Bereichen, die gerade im ethnisch und staatlich überaus komplex aufgebauten Österreich-Ungarn, das der Armee als eiserner Klammer so dringend bedurfte, auf besondere Art verflochten waren.
Band 5: Hartan, Constanze / Leinemann, Susanne
Erfahrungsgeschichten von Freiwilligen, Zeit- und Berufssoldaten in der Aufbauzeit von Bundeswehr und NVA. VIII, 250 Seiten. Osnabrück 2000. Geb.
ISBN 3-7648-2568-5Vor zehn Jahren vollzog sich im Zuge der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten die ebenso bemerkenswerte Auflösung der Nationalen Volksarmee und die Eingliederung einer grossen Anzahl von ihren Angehörigen in die Bundeswehr. Soldaten unterschiedlicher gesellschaftlicher Sozialisation, Prägung und Ausbildung dienten nun Seite an Seite in neu aufgestellten oder aus den alten Bundesländern verlegten Einheiten.
Die im Historischen Institut Jena gefertigten Magisterarbeiten untersuchen Aspekte zur Frühgeschichte dieser Armeen und sind in sich geschlossene Darstellungen dialektisch miteinander verknüpfter thematischer Bereiche. So lag es nahe, beide Arbeiten in einem gemeinsamen Band zu veröffentlichen, zumal die Autorinnen methodisch (“Oral History”) und gegenständlich (“Alltagsgeschichte”) dem von Lutz Niethammer gewiesenen Kurs in der deutschen Geschichtswissenschaft folgen. Bemerkenswert in Sinne der Herausforderung durch das Fremde - Bundeswehr bzw. Nationale Volksarmee - ist zudem, dass zwei junge Historikerinnen insgesamt 29 narrative Interviews mit ehemaligen Soldaten in beiden Streitkräften in deren Gründungsphase vor 1961 führten. Die Interviews bilden neben dem ausgearbeiteten Fragenkatalog die eigentliche Quellenbasis für das zeitgeschichtliche bzw. alltagsgeschichtliche Untersuchungsinstrumentarium. Dabei ist die Forschungsarbeit von Constanze Hartan über die Bundeswehr stärker einzelbiographisch-lebensgeschichtlich und behutsam typisierend angelegt, während das Untersuchungsfeld NVA Susanne Leinemann eine stärkere Systematisierung in “Realisten”, “Idealisten” und “Fachleute” ermöglichte.
Obwohl die Autorinnen keinen Anspruch erheben, bei der Auswahl ihrer Interviewpartner statistisch gesehen repräsentativ zu sein, legen sie zwei bemerkenswerte Untersuchungen vor, deren Aussagekraft durch die direkte Vergleichsmöglichkeit der unterschiedlichen Karrieren in zwei deutschen Armeen sogar noch wächst.
